Akupunktur bei Ischias, Ischialgie, NervenwurzelentzündungDer Ischiasschmerz (Ischialgie) unterscheidet sich vom einfachen Rückenschmerz durch seine Ausstrahlung ins Bein bis zum Fuß. Meist strahlen die Schmerzen an der Beinaußenseite entlang aus, und das Bein ist nicht mehr belastbar. Zuweilen treten die Beinschmerzen auch ohne begleitenden Rückenschmerz auf. Ischialgien werden häufig durch einen Bandscheibenvorfall verursacht. Die Bandscheibe engt das Rückenmark ein und drückt auf bestimmte Nervenwurzeln. Bei einem Bandscheibenvorfall schüttet der Körper im Bereich der zerstörten Bandscheibe bestimmte entzündungsfördernde Hormone (Zytokine) aus, die die Nervenwurzelentzündung auslösen. Anzeichen für eine Nervenentzündung sind die Anfälligkeit des Ischiasnervs für Überlastungen, unglückliche Bewegungen, Zugluft oder Kälte. In der modernen Orthopädie setzt sich die Überzeugung durch, dass der Nervenschmerz nicht so sehr durch die mechanische Einengung des Nervs, sondern vielmehr durch eine Entzündung der Nervenwurzel bedingt ist. Solche Nervenentzündungen können in manchen Fällen – wenn auch unsicher und sehr langsam – von selbst abheilen. Dann lassen die Schmerzen nach, obwohl der Bandscheibenvorfall unverändert fortbestehen bleibt. Die Akupunktur bringt in jedem Fall Hilfe. Neuroakupunktur bei Ischialgien Eine spezielle Form der Akupunktur, die wir aus der klassischen chinesischen Akupunktur weiterentwickelt haben, ist die Neuroakupunktur. Nach neueren Erkenntnissen ist die Neuroakupunktur in der Lage, den Heilungsvorgang an der Nervenwurzel ganz wesentlich zu beschleunigen oder überhaupt erst in Gang zu setzen. Eine Bandscheibenoperation ist so häufig zu vermeiden. Vermutlich aktiviert sie immunologische Stoffe (Interleukin I, Nervenwachstumsfaktor) im Körper, die die Nervenregeneration fördern. Bei Anwendung der Neuroakupunktur heilen Entzündungen des Ischiasnervs, wenn sie noch keine 4 Monate bestehen, innerhalb von 2–3 Wochen aus. Eine 50%ige Linderung des Schmerzes tritt im Allgemeinen bereits nach 2 Tagen ein. Bei einer seit über 4 Monaten bestehenden Ischialgie bis zu Ischialgien mit jahrelangem Krankheitsverlauf, auch wenn vorausgegangene konventionelle Therapieversuche nicht halfen, kann die Neuroakupunktur das Krankheitsbild zum Abklingen bringen. Im Schnitt sind zwischen 12 und 25 Sitzungen erforderlich. Ischialgie - Patientenbeispiel aus der Praxis Dr. G. Böwing und Prof. A. Molsberger, Düsseldorf Anamnese: Herr R., 47 Jahre, Unternehmensberater, leidet seit 9 Monaten an tiefem Kreuzschmerz, der an der Außenseite des rechten Beins bis in den Fuß ausstrahlt. Sitzen und Liegen sind besonders schmerzhaft. Geschäftsreisen macht er nur im Zug – stehend, auch Konferenzen verbringt er im Stehen, nachts wacht er mehrmals mit Schmerzen auf und prüft schweißgebadet seine Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung. Auf den Kernspinaufnahmen erkennt man einen größeren Bandscheibenvorfall zwischen den vorletzten Wirbelkörpern, der auf die rechte Nervenwurzel drückt. Zuerst ein Neurochirurg, dann, nach mehreren Spritzen, rät ihm auch der behandelnde Orthopäde zur Bandscheibenoperation. In dieser Situation entscheidet sich Herr R. zu einem letzten Versuch mit Akupunktur. Therapie: Ein typischer Fall für die Neuroakupunktur: 8 Sitzungen bringen eine 50%ige Besserung vor allem des Beinschmerzes. Danach injizieren wir unterstützend einmalig ein Kortikoid sowie körpereigene Wachstumsfaktoren direkt an die Nervenwurzel. Verlauf: Nach weiteren 8 Sitzungen verschwindet die Nervenentzündung. Viel wichtiger noch, der angeschlagene Nerv kann offensichtlich durch die Neuroakupunktur regenerieren. Nach 16 Sitzungen ist eine 80%ige Besserung erzielt. Die vollständige Nervenregeneration braucht etwas Zeit: Nach 3 Monaten Nachheilungszeit, unterstützt durch intensives Bewegungstraining, konnte bis heute über 4 Jahre eine vollständige Beschwerdefreiheit erreicht werden. Neurostimulation nach Molsberger
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