Akupunktur bei LWS Syndrom, Rückenschmerzen, chronischer Kreuzschmerz, HexenschussDie häufigsten Rückenschmerzen sind der chronische Kreuzschmerz. Mit Kosten von rund 17 Milliarden Euro ist diese Erkrankung noch vor den Herz-Kreislauf-Erkrankungen das teuerste medizinische Problem in Deutschland. Aktuell leiden 40 % aller Berufstätigen an Rückenschmerzen. Bei rund 3,5 Millionen Menschen wird die Erkrankung chronisch und etwa die Hälfte von ihnen wird zu medizinischen Problemfällen. Arztbesuche mehrmals pro Woche, »sich eine Schmerzspritze abholen«, Bandscheibenoperationen, ja sogar mehrfache die Wirbelsäule versteifende Operationen sind keine Seltenheit. Rückenschmerzen können durch die unterschiedlichsten Ursachen bedingt sein. So entstehen Schmerzen im Lendenbereich oft allein durch Verspannungen der Muskulatur. Auch kann es durch Haltungsfehler und dadurch bedingte Fehlbelastungen der Wirbelsäule zu Veränderungen in den kleinen Wirbelgelenken kommen. Schmerzen im Lendenwirbelbereich, die mitunter bis in den Oberschenkel oder ins Knie ausstrahlen, sind die Folge. Viele Patienten leiden Jahre und Jahrzehnte an chronischem Kreuzschmerz. Die herkömmliche konservative Therapie besteht in der Gabe von Schmerzmitteln, muskelentspannenden Medikamenten, wirbelsäulennahen Injektionen, Krankengymnastik sowie Wärmeanwendungen. Sie ist bei chronischem Kreuzschmerz meist nicht sehr erfolgreich. Anders die Akupunktur. Viele wissenschaftliche Arbeiten wie die GERAC-Studien konnten in den letzten Jahren übereinstimmend zeigen, dass die Akupunktur bei chronischem Kreuzschmerz konventionellen Behandlungen bei weitem überlegen ist. Die Nadeln werden in die schmerzhaften Muskelareale gestochen – wichtig ist es hier, die tief liegenden sensiblen Punkte genau zu identifizieren. Gerade das ist häufig nicht einfach, aber um so wichtiger für den Therapieerfolg. Zusätzlich sticht man Punkte des neben der Wirbelsäule verlaufenden Blasenmeridians sowie Punkte auf der Wirbelsäule selbst. Außerdem werden Fernpunkte am Knie und am Unterschenkel stimuliert. Normalerweise werden zwischen 5 und 15 Akupunktursitzungen benötigt. Erfahrungsgemäß lassen sich so auch seit Jahren bestehende chronische Kreuzschmerzen oft dauerhaft ausheilen. Sehr schnell reagiert auch der Hexenschuss auf die Akupunktur. Dieser nach einer unglücklichen Bewegung plötzlich einschießende Rückenschmerz lässt sich meist mit nur einer einzigen Sitzung beseitigen. Hierzu setzen wir Punkte am Unterarm oder am Unterschenkel mit der Nadel stark stimuliert, sodass – wie immer bei der Behandlung akuter Erkrankungen notwendig – ein De-Qi-Gefühl entsteht. Sobald der Patient dieses Wärme- und Druckgefühl spürt, beginnt er, sich vorsichtig im LWS-Bereich zu bewegen. Innerhalb von Minuten lässt der Rückenschmerz nach und der Patient verlässt schmerzfrei die Praxis. Chronischer Kreuzschmerz - Patientenbeispiel aus der Praxis Dr. G. Böwing und Prof. A. Molsberger, Düsseldorf Anamnese: Herr U. leidet seit 9 Jahren an chronischem Kreuzschmerz links. Er leitet eine große Werbeagentur und sitzende Tätigkeiten machen einen Großteil seiner Arbeitszeit aus. In seiner Freizeit treibt er viel Sport, vor allem Fußball und Joggen. Der Kreuzschmerz plagt ihn hauptsächlich im Sitzen und bei längerem Stehen, kühles und feuchtes Klima verträgt er ebenfalls schlecht und morgens nach dem Aufstehen ist der Rücken eine gute halbe Stunde praktisch steif. Beim Zähneputzen kann er sich nicht nach vorne beugen und erst eine warme Dusche bringt etwas Linderung. Beim Fußballspielen und Joggen hingegen hat er kaum Beschwerden, überhaupt ist der Rückenschmerz bei Bewegung erträglicher. Viele Röntgenbilder, zuletzt auch Computertomogramme und Kernspinaufnahmen, wurden in 9 Jahren angefertigt. Darauf erkennt man alterstypische Verschleißerscheinungen der kleinen Wirbelgelenke sowie mehrere Bandscheibenvorwölbungen und auch einen kleinen Vorfall der untersten Bandscheibe. Bisher führte man den Schmerz regelmäßig auf einen Verschleiß der LWS zurück und machte Herrn U. deswegen keine große Hoffnung, dass der Kreuzschmerz auszuheilen sei. Schmerzmittel sowie entzündungshemmende und muskelentspannende Medikamente nahm er fast täglich ein, unterstützt von Krankengymnastik und Rückenschule. Bei deutlicher Schmerzverstärkung wurde Kortison injiziert, zuletzt unter CT-Kontrolle an die kleinen Wirbelgelenke. Das half ihm 3 Monate, danach kehrten die Schmerzen unverändert zurück. Diagnose: Bei der Untersuchung fiel uns ein sehr empfindlicher 5 mm großer Bereich am oberen Beckenkamm links auf. Tiefer Druck darauf löste genau den für Herrn U. typischen Rückenschmerz aus. Die Muskulatur in der näheren Umgebung war verhärtet und so war es kein Wunder, dass Herr U. sich kaum bücken konnte. Nach der TCM leidet er an einer Blut- und Qi-Stagnation im Blasenmeridianbereich sowie an dem Syndrom »Feuchte Kälte« der Niere. Therapie: Wir beginnen eine Rückenakupunktur mit verschiedenen Punkten am Rücken und am Bein, die das Qi bewegen und das Blut stärken. Gegen die Feuchte Kälte setzen wir Moxibustion ein. Mit einer kräftigeren Akupunkturnadel suchen wir exakt den schmerzhaften Punkt in der Tiefe des Beckenkamms auf und stimulieren das Gewebe kräftig durch eine ganz alte klassisch chinesische Nadeltechnik – diese ist für den Patienten völlig schmerzfrei, da wir zuvor eine geringe Menge eines lokalen Betäubungsmittel spritzen. Eine weitere Behandlung in gleicher Technik folgt. Sodann injizieren wir körpereigene Wachstumsfaktoren und entzündungshemmende Stoffe an den Ah-Shi-Punkt und in die verhärtete Muskulatur. Verlauf: Nach der 1. Behandlung berichtet Herr U. über eine leichte Schmerzverstärkung, nach 3 Sitzungen bessern sich die Beschwerden, nach 6 Sitzungen ist er schmerzfrei. Wir führen noch 9 Akupunkturen durch, um den Rücken weiter zu stabilisieren. Nach Therapieende soll der Patient den Rücken 3 Monate lang zwar viel bewegen, aber wenig belasten. Heute nach 4 Jahren ist Herr U. immer noch schmerzfrei und geht weiter regelmäßig joggen. Auch ein Umzug, bei dem er selbst viel zupacken muss, kann seinem Rücken nichts anhaben.
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