Akupunktur bei Trigeminusneuralgie, GesichtsschmerzTrigeminusneuralgien gehören zu den schmerzhaftesten Erkrankungen überhaupt. Häufig treffen sie einen bis dahin gesunden Menschen wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Blitzartig schießen die Schmerzen auch in Stirn, Wange oder Unterkiefer ein. Die Schmerzen können Zahnschmerzen weit übertreffen, und manche Patienten wurden dadurch so gepeinigt, dass sie Selbstmord verübten. Der kleinste äußere Reiz wie ein Windzug, eine Erschütterung beim Gehen oder gar das Kauen der Nahrung kann die Schmerzattacke auslösen. Manche Patienten sind daher nicht mehr in der Lage, Schmerztabletten zu sich zu nehmen, da allein das Schlucken die Schmerzen in unerträglicher Weise provoziert. Die herkömmliche Therapie bedient sich schmerzlindernder und antiepileptischer Medikamente, bleibt aber oft unbefriedigend. Auch eine operative Therapiemöglichkeit besteht, ist aber im Langzeitergebnis als unsicher zu beurteilen. Viele Krankheitsverläufe ziehen sich über Jahrzehnte hin. Die Trigeminusneuralgie gehört zu den Erkrankungen, bei der die Akupunktur am dringendsten und vor allen anderen Therapieformen einzusetzen ist. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Erfolgsaussichten besonders hoch sind, wenn die Erkrankung erst seit wenigen Jahren besteht. Angesichts der übrigen schlechten therapeutischen Möglichkeiten sollte der betroffene Patient früh auf eine Akupunktur drängen. Eine Trigeminusneuralgie, die erst seit einigen Wochen besteht, lässt sich mit 5–15 Sitzungen beheben; besteht sie jedoch schon über Monate, benötigt man bis zur Heilung 15–30 Behandlungen. Eine seit Jahren andauernde Erkrankung lässt sich so häufig deutlich bessern und die Medikamenteneinnahme reduzieren. Tritt die Erkrankung wieder auf, kann man die Akupunktur wiederholen. Am Anfang ist oft täglich zu behandeln. Trigeminusneuralgie - Patientenbeispiel aus der Praxis Dr. G. Böwing und Prof. A. Molsberger, Düsseldorf Anamnese: Herr K., 52 Jahre, ist bis auf gelegentlich auftretende Kopfschmerzen gesund. Eines Abends verspürt er einen stechenden Schmerz in der linken Wange. Als der Schmerz immer häufiger auftritt, geht er zum Zahnarzt. Der kann ihm nicht helfen. Schließlich stellt der Neurologe eine Trigeminusneuralgie fest. Eine 3-wöchige stationäre Behandlung hilft nicht. Im Gegenteil: Die Schmerzen nehmen so rapide zu, dass er in die neurologische Universitätsklinik eingeliefert wird. Obwohl man ihn dort über 4 Wochen mit Kortisoninfusionen behandelt, bessert sich das Krankheitsbild kaum. Als Herr K. die Klinik verlässt, bereitet man ihn darauf vor, dass es sich um eine chronische Verlaufsform der Trigeminusneuralgie handelt und vorerst mit keiner wesentlichen Besserung zu rechnen sei. Therapie: Als wir bei Herrn K. mit der Akupunktur beginnen, liegt er schon wochenlang im Bett und kann die Schmerzen nur noch mit Zäpfchen bekämpfen, da ihm Schlucken unmöglich ist. Herr K. hat 14 kg abgenommen. Zuerst stimulieren wir Akupunkturpunkte im Bereich der gesunden Gesichtshälfte mit sehr dünnen Nadeln. Erst nach 5 Behandlungen werden die Punkte der erkrankten Gesichtshälfte genadelt. Besonders wichtig ist hier das exakte Aufsuchen der schmerzhaften Stellen, der Ah-Shi-Punkte. Nach 8 Sitzungen beginnt sich das Krankheitsbild zu bessern. Verlauf: 14 Behandlungen dauert es, bis Herr K. sich normal bewegen kann und sich wieder traut, seine Haare zu waschen – eine Prozedur, die bis dahin aufgrund der dadurch ausgelösten Schmerzen unmöglich ist. Nahezu schmerzfrei essen kann er wieder nach 24 Behandlungen. Insgesamt benötigt er 36 Sitzungen bis zum vollständigen Abklingen der Neuralgie. Der Aufwand für die Akupunkturtherapie ist für ihn erheblich, doch er nimmt dies bei der Stärke seiner Erkrankung in Kauf. 4 Wochen sowie 3–6 Monate nach Therapieende führen wir jeweils 2–3 Auffrischungsbehandlungen durch. Seit 2 ½ Jahren ist Herr K. beschwerdefrei. |