Video Erfahrungsbericht: Behandlung eines Morbus Sudeck / CRPS Typ 1 an der Hand Fallbeispiel (aus der OCS Praxis Düsseldorf)

CRPS Typ 1 - Morbus Sudeck - die Axomera Therapie

Autor: Prof. Dr. med Albrecht Molsberger - letzte Revision 6.3.2020

Wir haben in diesem Text die Beschreibung der Axomera Therapie und Patientenbeispiele  vorangestellt, da wir annehmen, dass sie den Leser zuerst interessieren. Ein Darstellung des Krankheitsbildes und der Literatur folgt anschließend. Über das Inhaltsverzeichnis können Sie direkt zu den Kapiteln springen.

Fallbeispiele und Patientenberichte zur Axomera Therapie bei CRPS Typ 1

1. Video Patientenbericht CRPS Typ 1 / Morbus  Sudeck

Video zur Verfügung gestellt von der Praxis Dr. med Christian Behrendt, Dr. med. Holger Beger

2. Fallbeispiel: Axomera Therapie bei CRPS Typ1 nach Sturz auf die Hand

Aus der Praxis Prof. Molsberger, Dr. Böwing, Düsseldorf: Nach einem Sturz auf die rechte Hand erfolgte eine direkte operative Versorgung des Handgelenks. Anschließend bekam der Patient für 6 Wochen eine Gipsschale zur Ruhigstellung der verletzten Hand. Bereits während der Ruhigstellung kam es zu einer deutlichen Schwellung und starken Schmerzen, die sofort mit konservativen Therapieversuchen (Cortison und hochdosierte Schmerzmittel) behandelt wurden. Trotz der eingeleiteten Therapie steigerten sich die Schmerzen und die Schwellung innerhalb der folgenden 6 Monate jedoch bis zur Unerträglichkleit. Zuletzt bekam der Patient täglich Infusionen mit Opiaten und anderen Schmerzmitteln (Tramadol und Aspisol).

Als sich der Patient in unserer Praxis mit der Diagnose "CRPS" zur Axomera-Therapie vorstellt, findet sich ein ausgeprägter Druckschmerz streckseitig über dem Handgelenk, eine stark eingeschränkte Beugung der Fingergelenke und ein fehlender Faustschluss. Am Tag nach der ersten Axomera-Therapie schickt uns der Patient diese Email des Patienten: “Lieber Herr Professor Molsberger, ich möchte Ihnen meine Dankbarkeit auf diesem Wege mitteilen. ...die Schmerzen sind um 70% gebessert…” Erfreulicherweise kann der Patient bereits nach der zweiten Axomera-Therapie alle Schmerzmittel absetzen. Insgesamt sind 8 Axomera-Therapien innerhalb von 6 Wochen bis zur vollständigen Beschwerdefreiheit erforderlich.

3. Fallbeispiel: Axomera Therapie bei CRPS Typ 1 nach Handgelenksfraktur

Aus der Praxis Prof. Molsberger, Dr. Böwing, Düsseldorf: Anfang Januar stürzte die Patienten und erlitt dabei eine sogenannte distale Radiusfraktur, das heisst, ein Bruch des Unterarmknochens nahe dem Handgelenk. Es folgte eine operative Versorgung, bei der der Unterarmknochen durch eine Platte stabilisiert wurde (Plattenosteosynthese). Bereits im direkt nach der Operation angelegten Gips entwickelten sich stärkste Schmerzen.  Im Anschluss daran kam es zwei Wochen später zu einer ausgeprägten Schwellung der Hand bis zum Unterarm. Durch die starke Schwellung hatte sich die Haut teilweise abgelöst. Nachdem die Diagnose "CRPS Syndrom Typ 1" gestellt wurde, folgte eine klassische Schmerztherapie mit Novalgin, Ibuprofen, Arcoxia. Neben der täglicher Physiotherapie bekam die Patienten jeden Tag eine manuelle Lymphdrainage. Aufgrund der starken Schmerzen entwickelte die Patientin ausserdem einen schmerzbedingten Bluthochdruck (Hypertonus).

Als sich die Patientin im April in unserer Praxis vorstellt, findet sich eine im Seitenvergleich kalte, teigig geschwollene Hand. Die Finger zeigten eine glänzende Haut und die Schmerzen strahlten inzwischen vom Handgelenk über den Oberarm bis zum Schultergelenk aus. Ein brennender Nachtschmerz, Schmerzstärke 8 (Schmerzskala 0-10) führte bei der Patientin zu ausgeprägten Schlafstörungen. Die Beugung und Streckung der Finger und des Handgelenks waren ebenso wie der Faustschluss gut 50% eingeschränkt.

Nach der zweiten Axomera-Therapie berichtet die Patientin darüber, keinen Nachtschmerz mehr zu haben und nach vielen Wochen erstmals wieder durchschlafen zu können. Nach der dritten Axomera-Therapie konnte sie bereits sämtliche Medikamente absetzen. Die zuvor sehr ausgeprägte Schwellung war genauso rückläufig wie der bestehende Temperaturunterschied zur gesunden Seite. Sogar die optisch sehr auffällige Glanzhaut war deutlich weniger nachweisbar. Nach aktuell 9 Behandlungen innerhalb von 8 Wochen mit der Axomera-Therapie berichtet die Patientin über eine 90% iger Besserung.

Die Axomera Therapie bei CRPS Typ 1 / Morbus Sudeck

Zusammen mit mehreren spezialisierten Praxen und in Kooperation mit Kliniken (Handchirurgie der BG-Klinik Tübingen) behandeln wir Patienten mit der Axomera-Therapie. Hierbei beobachten wir eine deutliche Schmerzlinderung und Abnahme der Schwellung, dies meist  bereits innerhalb von 1-3 Wochen (nach 2-5 Behandlungen). In den folgenden Wochen kann sich dann die Einsteifung der Gelenke (CRPS Typ 1 an der Hand) oder der Belastungmerz (Morbus Sudeck am Fuß) zurückbilden.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Axomera-Therapie - Behandlungsablauf, wissenschaftlicher Hintergrund, Indikationsempfehlungen -  sowie zur Kostenerstattung in unserer Privatpraxis.

CPRS Typ1 und Morbus Sudeck - das Krankheitsbild

CRPS ist eine Abkürzung für "komplexes regionales Schmerzsyndrom”. Häufig benutzt man den älteren Begriff “Morbus Sudeck" oder bezeichnet die Erkrankung als “Sympathische Reflexdystophie”.

Bei der CRPS Typ 1 Erkrankung / Morbus Sudeck handelt es sich um eine schmerzhafte Erkrankung meist der Hand oder des Fußes, die durch eine Operation oder eine Trauma ausgelöst wird. Davon zu unterscheiden ist das CRPS Typ 2 /die Kausalgie. Diese Begriffe beschreiben oft quälende Nervenschmerzen nach Nervenverletzungen.

Charakteristisch für das CRPS Typ 1 sind stärkste Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung der Extremität. Häufig führen spezialisierte Zentren die Behandlung der CPRS Erkrankung durch. Trotzdem ist die  Therapie des CRPS Typ 1 ist oft unbefriedigend. Für Patienten ist es deshalb wichtig zu wissen, dass mit der Axomera-Therapie eine neue Therapie für das CRPS Typ 1 Syndrom / Morbus Sudeck zur Verfügung steht.

Wie entsteht eine CRPS / Morbus Sudeck Erkrankung?

Das CRPS Typ 1 ist eine chronische (neurologische) Erkrankung, die durch äußere Einwirkung mit Weichteilverletzungen oder Nervenschäden an den oberen und unteren Extremtitäten (Gliedmaßen) auftritt. Dabei tritt es oft im Zusammenhang mit Frakturen (Knochenbrüchen) im Bereich der Hand, des Handgelenks und des Unterarms, aber auch nach Verletzungen am Fuß auf.  Auch Schulterverletzungen und seltener Ellbogentraumata können in einem CRPS enden. Neben Bagatellverletzungen können aber auch Entzündungen, Infektionen oder schwere Gewebsverletzungen (z.B. nach Unfall) ein CRPS hervorrrufen. Ebenso kann es nach operativen Eingriffen an peripheren Nerven auftreten (z.B. nach Operation eines Karpaltunnelsyndroms). Die Altersverteilung hat ein Maximum zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr. Frauen sind statistisch gesehen etwa 3 mal häufiger betroffen als Männer. Das CRPS / Morbus Sudeck neigt dazu, einen chronischen Verlauf zu entwickeln und schwere funktionelle Behinderung entstehen zu lassen.

Das CRPS / Morbus Sudeck Syndrom

  • entsteht in der Regel unmittelbar oder mittelbar nach einem Trauma (Verletzung, Operation, Entzündung)
  • ist in seinem Schweregrad unabhängig vom Ausmaß der Verletzung
  • stellt eine schwerwiegende Komplikation dar
  • kann durch Behandlungsfehler erheblich verschlimmert werden

Was sind die Symptome des CRPS / Morbus Sudeck?

Es finden sich regelhaft chronische Schmerzen in Ruhe und bei Belastung sowie Gefühlsstörungen im erkrankten Bereich. Oft sind die Gelenke druckschmerzhaft. Die Haut ist schmerzhaft und  druck-, wärme- oder kälteempfindlich. Weiterhin bestehen charakteristische Störungen der Körperwahrnehmung. Im Vordergrund stehen eine Einschränkung der aktiven und passiven Beweglichkeit sowie Störungen der Feinmotorik. Ebenfalls sieht man eine schmerzbedingte Kraftminderung. Seltener treten auch Zittern (Tremor), Muskelkrämpfe (Myoklonien) und Bewegungsstörungen (Dystonien) auf. Auch Störungen der Hautdurchblutung (Änderungen von Hauttemperatur und Hautfarbe), vermehrtes Schwitzen und ein Anschwellen der betroffenen Extremität (Ödem) liegen häufig vor. Sogenannte trophische Störungen finden sich an Hautanhangsgebilden (Haare/ Nägel), im Bindegewebe, in Muskeln sowie den Knochen (z.B. Entkalkung der Knochen). Durch die trophischen Veränderungen kommt es unbehandelt rasch zu Bewegungseinschränkung und schmerzhaften Verkürzungen von Muskeln, Sehnen und Bändern (Kontrakturen).

Wie wird das CRPS diagnostiziert?

Von der Internationalen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (IASP) sind die folgenden Kriterien zur Diagnosestellung anerkannt (Harden et al. 2010a).

  1. anhaltender Schmerz, der durch das Anfangstrauma nicht mehr erklärt wird
  2. Hyperalgesie (Überempfindlichkeit für Schmerzreize), „Hyperästhesie“ (Überempfindlichkeit für Berührung, Allodynie)
  3. Asymmetrie der Hauttemperatur, Veränderung der Hautfarbe
  4. Asymmetrie im Schwitzen, Ödem
  5. reduzierte Beweglichkeit, Dystonie, Tremor, „Paresen“ (im Sinne von Schwäche), Veränderungen von Haar oder Nagelwachstum.

Die apparative Diagnostik kann nur zur Bestätigung der klinischen Diagnose CRPS verwendet werden:

  • 3-Phasen-Knochenszintigramm mit Technetium-99m-Diphosphonat: bandenförmige gelenknahe Anreichung (Schurmann et al. 2007, Wuppenhorst et al. 2010) oder die quantitative Auswertung der Anreicherung im Bereich der metakarpophalangealen und der proximalen und distalen interphalangealen Gelenke im Seitenvergleich (Quotient ≥ 1,32) (Wuppenhorst et al. 2010).
  • Wiederholte Messung der Hauttemperatur im Seitenvergleich: Temperaturunterschiede von über 1–2 °C unterstützen die Diagnosestellung.
  • Konventionelle Röntgenaufnahmen im Seitenvergleich nach 4–8 Wochen zeigen kleinfleckige, osteoporotische, gelenknahe Veränderungen. Die Sensitivität ist sehr gering (Gradl et al. 2003).
  • Die Kernspintomografie ist nur aus differenzialdiagnostischen Gründen indiziert und nicht für die Diagnosestellung geeignet (Graif et al. 1998)

Wie wird der Morbus Sudeck / das CRPS konventionell behandelt?

Die wesentlichen Bestandteile der CRPS-Therapie sind nach derzeitigem Kenntnisstand:

  1. Bisphosphonate
  2. Glukokortikoide bei posttraumatisch-entzündlichem (Rötung, Überwärmung, Ödem) CRPS
  3. Physio- und Ergotherapie (inkl. Spiegeltherapie, Motor Learning) zur Wiedererlangung der Funktion
  4. medikamentöse Therapie neuropathischer Schmerzen (siehe entsprechende Leitlinie)
  5. psychotherapeutische Verfahren
  6. bei Therapieresistenz Ketamindauerinfusion über 4 Tage zur Schmerztherapie (einmalig)
  7. bei Therapieresistenz ca. 10 Sympathikusblockaden nach Testblockade in erfahrenen Zentren
  8. rückenmarksnahe Elektrostimulation (SCS) bei chronischen, sonst unbehandelbaren Schmerzen (siehe S3-Leitlinie der AWMF)

Eine Berentung bei CRPS / Sudeck ist häufig. Angesichts der hohen Schmerzhaftigkeit und Behinderung im Alltagsleben wird das CRPS zu den „catastrophic diseases“ gezählt. Da bisher bekannte Therapiemaßnahmen oft zu unbefriedigenden Ergebnissen führen, besteht ein dringender Bedarf an neuen effektiveren Behandlungsmöglichkeiten.

Literatur

Harden, R.Norman, S. Bruehl, Perez R., F. Birklein, J. Marinus, Christian Maihofner, Timothy Lubenow, u. a. „Validation of proposed criteria for CRPS“. Pain 150, Nr. 2 (2010): 268–74.

Elsamadicy, Aladine A., Siyun Yang, Amanda R. Sergesketter, Bilal Ashraf, Lefko Charalambous, Hanna Kemeny, Tiffany Ejikeme, u. a. „Prevalence and Cost Analysis of Complex Regional Pain Syndrome (CRPS): A Role for Neuromodulation“. Neuromodulation 2017 (2017). https://doi.org/10.1111/ner.12691.

Goebel, Andreas. „Complex regional pain syndrome in adults“. Rheumatology 50, Nr. 10 (2011): 1739–50. https://doi.org/10.1093/rheumatology/ker202.

Ratti, Chiara, Andrea Nordio, Giuseppina Resmini, und Luigi Murena. „Post-traumatic complex regional pain syndrome : clinical features and epidemiology“ 11, Nr. Suppl 1 (2016): 11–16. https://doi.org/10.11138/ccmbm/2015.12.3s.011.

Barbalinardo, Stefania, Stephan A. Loer, Andreas Goebel, und Roberto S.G.M. Perez. „The Treatment of Longstanding Complex Regional Pain Syndrome with Oral Steroids: Table 1“. Pain Medicine, 2016, pnv002. https://doi.org/10.1093/pm/pnv002.