Axomera-Therapie bei Heuschnupfen  und anderen Allergien der oberen Atemwege

Autorin: Dr. med. Gabriele Böwing - letztes Update 28.4.2020

Eher unerwartet haben wir 2014 herausgefunden, dass die Axomera-Behandlung (ehem. NSM-Therapie) bei Allergie wie Heuschnupfen, Allergie auf Tierhaare und bei Hausstaubmilbenallergie eingesetzt werden kann. Patienten, die wir wegen Kopfschmerzen behandelt hatten, berichteten über eine unerwartete Besserung ihrer allergischen Beschwerden. Diese Beobachtung konnten wir in einer multizentrischen Beobachtungsstudie an der 129 Patienten, die im Durchschnitt 20 Jahre an Heuschnupfen litten, bestätigen. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse

  • Die Axomera-Therapie gegen Heuschnupfen wird als schmerzfrei empfunden und ist nebenwirkungsarm.
  • In der Regel sind 3 - 6 Axomera-Behandlungen innerhalb von 2 - 3 Wochen erforderlich.
  • Darunter bessern sich die allergie-typischen Beschwerden der Nase, Augen und Lunge um mehr als 50%.
  • Die Patienten benötigen 60% weniger Tabletten, 70% weniger Asthmaspray und 80% weniger Nasen- oder Augentropfen.
  • Auch ein Jahr nach der Axomera-Therapie haben viele Patienten 50% weniger Beschwerden und nehmen 70% weniger Medikamente ein.

Ergebnisse der Allergie Studie: obere Graphik y Achse - Beschwerdestärke 0=beschwerdefrei, 10=unterträgliche Beschwerden.Untere Graphik y Achse Angaben in % der Patienten.

Die Axomera Behandlung bei Allergie

Bei der Axomera Heuschnupfen Therapie werden im Bereich der Nase, der Stirn und an den Schläfen feine Nadeln gesetzt. Diese Vorgehensweise ist ähnlich wie bei einer Akupunktur. Anders als bei einer Akupunktur wird dann das Gewebe über die Nadeln mit einem elektrischen Feld stimuliert. Dieses elektrische Feld wird mit einem Mikroprozessor erzeugt und liegt in der Größenordnung der körpereigenen, zellulären elektrischen Feldern liegt. Die Behandlung erfolgt im Liegen und dauert 30 Minuten. Hier finden Sie weitere Informationen zur Axomera-Therapie - Behandlungsablauf,  wissenschaftlicher Hintergrund, Indikationsempfehlungen -  sowie zur Kostenerstattung in unserer Privatpraxis.

Patientenbeispiele

CF, Ärztin

"Seit Jahren leide ich an Allergie und Heuschnupfen mit stärkstem Schnupfen, Nasen- und Augenjucken. Diese Probleme habe ich jedes Jahr von März bis etwa Juni. Neben Cetirizin brauchte ich meist einmal pro Jahr eine Kortison Depot Injektion. Diese Injektion hatte ich dieses Jahr vergessen - und stand plötzlich mit laufender Nase und juckenden Augen vor meinen Patienten. So konnte ich meine Praxis nicht führen. Ich habe mich in der Not selbst mit der Axomera-Therapie behandelt. Und es war nicht zu glauben - direkt nach der Behandlung ging es besser. Nach 3 Stunden waren die Symptome praktisch verschwunden! Das war meine einzige Behandlung in diesem Jahr....und ich war tatsächlich das ganze Jahr praktisch beschwerdefrei. Seitdem, das können Sie sich vorstellen, habe ich viele meiner Patienten mit dieser Methode behandelt."

Haushälterin, 52 Jahre

Seit mehr als 20 Jahren leidet die Patientin an Heuschnupfen. Auslöser sind Pollen und Gräser. Die Saison beginnt für sie im Januar-Februar und endet im Oktober. Während dieser Zeit nimmt die Patientin täglich Cetirizin und Nasentropfen. In den letzen 5 Jahren bekam sie zwei Depotspritzen mit Kortison. Dieses Jahr erfolgten insgesamt 3. Axomera-Behandlungen im März: nach der ersten Behandlung berichtete sie über eine Besserung der Allergie um etwa 60%.  Nach der zweiten Behandlung steigerte sich dies auf 80%, nach der dritten auf  90%. Im gesamten Jahresverlauf blieb die Patientin nahezu beschwerdefrei. Allergie - Medikamente waren nicht mehr erforderlich. Im darauffolgenden Jahr berichtete sie über gelegentliches Nasenjucken im Februar. Dies war jedoch so gering, dass sie auch zu Beginn der neuen Saison keine Medikamente mehr benötigte.

Fitnesstrainer

Der Patient konnte aufgrund allergischer Beschwerden wie Nasenlaufen, Augentränen, Augenjucken und Lungenproblemen nicht mehr arbeiten. Ein Allergie bzw. Heuschnupfen mit Reaktion auf Pollen und Gräser von März bis August war seit Jahren bekannt. Abgesehen von der üblichen Vorgehensweise mit entsprechender fachärztlicher Diagnostik, war die medikamentöse Therapie bereits ausgereizt.

In der Vergangenheit hatte er bereits erfolglos eine Desensibilisierung versucht. Nach der ersten Axomera-Behandlung berichtete er über eine Besserung der Beschwerden um ca. 70%. Nach der zweiten Behandlung war er praktisch beschwerdefrei. Auch Lungenprobleme mit leichtem allergischen Asthma verschwanden vollständig. Nach diesen zwei Behandlungen war der Patient im Sport und damit in seinem Beruf wieder voll einsatzfähig. Die Wirkungsdauer der beiden Behandlungen hielt über das ganze Jahr an. Sein Fazit: “Unglaublich erleichtert”.

Akupunktur bei Saisonaler Allergie

Auch die Akupunktur zeigt gute Ergebnisse bei  Heuschnupfen. Die Akutsymptome können gelindert werden und es tritt eine prophylaktische Wirkung auf, die sich mit jeder Behandlungsserie verstärkt. Über viele Jahre haben wir den Heuschnupfen deshalb vor allem mit Akupunktur behandelt und beobachteten, dass gerade Kinder und junge Erwachsene nach mehreren Akupunkturserien vollständig beschwerdefrei werden konnten. Sie waren vollständig symptomfrei und benötigten keinerlei Medikamente. Sie waren keine Allergiker mehr. Hier finden Sie weitere Informationen zur Akupunktur und Chinesischen Medizin sowie zur Kostenerstattung in unserer Privatpraxis.

Was ist der Unterschied zwischen der Akupunktur und Axomera bei der Therapie des Heuschnupfen?

Der wesentliche Unterschied der Akupunktur zur Axomera Therapie ist, dass man bei der Akupunktur über mehrere Jahre 10-15 Therapiesitzungen benötigt, und man ein allmähliches Ansprechen auf die Therapie beobachtet. Bei der Axomera Therapie reichen meist 2-6 Sitzungen und eine deutliche Besserung ist schon nach den ersten zwei Sitzungen zu sehen.

Saisonale Allergie (Heuschnupfen) - das Krankheitsbild

Wann tritt Heuschnupfen auf?

Die saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen) kommt primär während der Frühlings-, Sommer- und regional Herbstmonaten und unterscheidet sich bezüglich der Einteilung von der perennialen allergischen Rhinitis (Hausstauballergie) und der berufsbedingten allergischen Rhinitis. Die Dauer der Symptome hängt von der Empfindlichkeit gegen das Allergen sowie vom Zeitraum des Kontakts ab. Je nach Quelle wird der Anteil an kranken Kindern und Jugendlichen zwischen 15 und über 30 Prozent beziffert.

Wie entsteht eine allergische Rhinitis?

Die allergische Rhinitis beginnt mit einer Sensibilisierung gegenüber einem Allergen, bei der keine Symptome auftreten (Erstkontakt). Dendritische Zellen oder Makrophagen nehmen das Allergen auf und präsentieren es einem T-Lymphozyten, welcher daraufhin B-Lymphozyten anregt, sich zur Bekämpfung des Eindringlings umzubauen und zu vermehren. Diese produzieren IgE-Antikörper, welche speziell gegen das Allergen gerichtet sind und an Mastzellen gebunden werden.
Bei einem Zweitkontakt werden zwei Antikörper durch das Allergen überbrückt und die Mastzelle sezerniert potente Mediatoren wie etwa Histamin, Leukotriene und den plättchenaktivierenden Faktor (PAF).Die typischen Reaktionen des Körpers (Rötung, Jucken, Niesen, Rhinorrhoe) – werden durch Histamin und die Leukotriene ausgelöst.

Weiterhin werden proinflammatorische TH2-assoziierte Chemokine und Zytokine freigesetzt. Die TH2-Helferzellen regulieren das Immunsystem zu einer humoralen Antwort hin und sind deswegen bei einer Allergie von besonderer Bedeutung.
Die allergische Rhinitis ist eine Allergie vom Typ 1. Man unterscheidet eine Sofortphase der allergischen Entzündung (weniger als zwei Stunden), bei der Histamin als Mediator dominiert, und eine Spätphase (2–48 Stunden nach Allergenexposition), bei der Leukotriene im Vordergrund stehen.

Wie wird die Diagnose Heuschnupfen gestellt?

Diagnosestellung erfolgt meist anamnestisch und wird durch einen Prick-Test, Scratch-Test, Intrakutantest oder IgE-Titerbestimmung bestätigt. Bei der IgE-Titerbestimmung erfolgt entweder die Bestimmung des Gesamt-IgE mit dem Radio-Immuno-Sorbent-Test (RIST) oder die Bestimmung des spezifischen IgE (sIgE) mit dem Radio-Allergo-Sorbent-Test (RAST).

Wie wird Heuschnupfen behandelt?

Der bisherige Behandlungsansatz basiert auf drei Säulen: Karenz gegenüber des Allergens, einer Pharmakotherapie und einer Immuntherapie.

Ziel einer medikamentösen Therapie ist eine Reduzierung der Symptome. Hierzu werden folgende Medikamente eingesetzt: Antihistaminika, Cromone, Glukokortikoide (topisch oder oral), Sympathomimetika, Ipratropiumbromid oder Leukotrien-Rezeptorantagonisten. Ziel der spezifischen Immuntherapie ist die schrittweise Gewöhnung an das Antigen. Hierbei wird die subkutane Immuntherapie (SCIT) von der sublingualen Immuntherapie (SLIT) unterschieden.

Literatur

Brinkhaus, Benno, Miriam Ortiz, Claudia M Witt, Stephanie Roll, Klaus Linde, Florian Pfab, Bodo Niggemann, u. a. „Acupuncture in patients with seasonal allergic rhinitis: a randomized trial.“ Annals of internal medicine 158, Nr. 4 (2013): 225–34.
erlich.

Witt, C M, T Reinhold, S Jena, B Brinkhaus, und S N Willich. „Cost-effectiveness of acupuncture in women and men with allergic rhinitis: a randomized controlled study in usual care“. Am J Epidemiol 169, Nr. 5 (2009): 562–71.

The Lancet. „Allergic rhinitis: common, costly, and neglected“. The Lancet 371, Nr. 9630 (2008): 2057. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(08)60891-0.

Weiss, Kevin B., und Sean D. Sullivan. „The health economics of asthma and rhinitis. I. Assessing the economic impact“. Journal of Allergy and Clinical Immunology 107, Nr. 1 (2001): 3–8. https://doi.org/10.1067/mai.2001.112262.