Woher kommt Schwindel? Was können die Ursachen sein?

Gleichgewichtsstörungen und Schwindel (z.B. Vertigo, Morbus Menière, Neuronitis vestibularis) können unterschiedlich begründet sein. Der harmlose Schwindel ist häufig Ausdruck und Symptom einer allgemeinen Kreislauferkrankung. Meistens jedoch handelt es sich um lokale Durchblutungsstörungen im Bereich des Innenohres, Kristallausfällungen in der Innenohrflüssigkeit oder Viruserkrankungen. Aber auch Bewegungsstörungen der Halswirbelsäule können eine Ursache sein, genauso wie neurologische Erkrankungen wie z.B. Multiple Sklerose. Akupunktur und Manuelle Medizin können nach unserer Erfahrung deutliche Linderung der Beschwerden bringen.

Zur Abklärung dieser verschiedenen Ursachen bedarf es zunächst zwingend einer fachärztlichen Untersuchung.

Was ist Morbus Menière oder Neuronitis vestibularis?

Beim Morbus Menière handelt es sich um eine Erkrankung des Innenohrs. Diese ist typischerweise durch das gemeinsame Auftreten von Schwindel (Vertigo), Hörverlust und Ohrgeräuschen (Tinnitus) gekennzeichnet. Man spricht auch von der sogenannten Menière’schen Trias. Eine direkte Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht bekannt. Obwohl sich bei jedem Menière’schen Anfall ein sogenannter Endolymphstau im Innenohr nachweisen lässt, ist dies nicht die primäre Ursache. Durch den Lymphstau kommt es jedoch zu einem Volumenanstieg mit Druck auf die Kammern im Innenohr. Dies erklärt auch das häufige Druckgefühl, während eines akuten Anfalls.

Bei der Neuronitis vestibularis handelt es sich um eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs. Anders als bei der menière’schen Erkrankung kommt es hier nicht zu einzelnen, wiederkehrenden Anfällen und einem schubhaften Verlauf, sondern zu einem plötzlichen Auftreten von Schwindel. Ohne Behandlung kann dieser über Wochen, Monate bis hin zu Jahren bestehen bleiben.

Symptome

Die Anfälle beim Morbus Menière treten in Schüben auf, wobei diese Schübe vereinzelt und nicht regelmäßig auftreten und zwischen den einzelnen Anfällen oft jahrelange Pausen liegen können. Anfänglich berichten die Patienten oft erst über Schwindel oder ausschliesslich Hörverlust mit Tinnitus. Tretren dann in Folge alle drei Symptome zusammen auf, so spricht man von der Menière’schen Trias. Nicht selten beschreiben die Betroffenen neben dem Hörverlust auch ein Völlegefühl bzw. ein Druckgefühl im Ohr, der mit dem Endolymphstau zu erklären ist. Ihn der Regel verschlimmert sich der Schwindel bei Bewegung, weshalb sich die meisten Patienten ruhig verhalten oder sogar versuchen zu schlafen. Während eines Schwindelanfalls tritt ein Hörverlust mit  Tinnitus auf, der typischerweise nach den ersten Anfällen wieder verschwindet. Nach längerem Bestehen der Erkrankung bzw. bei sich häufenden Anfällen können diese Symptome auch bestehen bleiben.

Konventionelle Therapie 

Bis heute ist die Ursache des Morbus Menière immer noch nicht bekannt ist. Deswegen beschränkt sich die konventionelle Therapie auf die Linderung der Symptome (Übelkeit und Erbrechen) oder Hinweisen zurLebensführung. Bei der hohem Leidensdruck und sehr schwerem Verlauf kann das Gleichgewichtsorgan medikamentös stillgelegt werden. Dies bringt aber entsprechend einschneidende Veränderungen mit sich, da es zu einem unwiederbringlichen Verlust des Gleichgewichtssinnes kommt. Dieser kann sogar mit einem kompletten Hörverlust einhergehen.

Therapie mit Akupunktur, Manualtherapie und aus Sicht der chinesischen Medizin

Die Behandlung des Morbus Menière setzt viel Erfahrung und eingehendes Wissen, auch  in der chinesischen Krankheitslehre voraus. Da die Patienten einen sehr hohen Leidensdruck aufweisen, wird sehr viel Diagnostik betrieben, die jedoch häufig selbst bei aufwendigsten Untersuchungen ohne Ergebnis bleibt. Als Patient leidet man jahrelang an einer Krankheit, bei der man das Gefühl hat, dass einem buchstäblich der »Boden unter den Füßen weggezogen wird«. Neben dem Morbus Menièreist auch die akute Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuronitis vestibularis) eine Erkrankung, die hervorragend auf die Akupunktur anspricht, wie das beschriebene Patientenbeispiel zeigt. Das Krankheitsbild der Neuronitis vestibularis äußert sich durch innerhalb von Stunden zunehmenden Schwindel, der ohne Therapie Wochen, Monate oder Jahre anhalten kann. Im Vergleich zum Morbus Menière verläuft diese Erkrankung nicht schubweise, sondern anhaltend.

Bei einer Behandlung liegt die Anzahl der erforderlichen Sitzungen mit Akupunktur in der Regel zwischen 8 bis 15. Auch lassen sich lang anhaltende Gleichgewichtsstörungen mit Ohrgeräuschen und Hörminderung oft durch manualtherapeutische Behandlung der oberen Halswirbel bessern. Nach unserer Erfahrung sollte mit der Akupunktur bereits am ersten oder zweiten Krankheitstag begonnen werden. Wichtig ist die Nadelung lokaler am Ohr und der Ohrwurzel gelegener Punkte, wobei die Nadeln im akuten Stadium der Erkrankung bis zu einer Stunde belassen werden können. Zusätzlich sind Fernpunkte mit einzubeziehen. Man wählt Punkte des Leber- und Nierenmeridians, da das Ohr dem Funktionskreis Niere zugeordnet ist und der Schwindel als Ausdruck einer Störung im Leber- oder Nierenorgan angesehen wird.

Liegt den Gleichgewichtsstörungen keine Entzündung des Gleichgewichtsnervs zugrunde, sondern eine Verspannung der Nackenmuskulatur mit Schmerzausstrahlung in den Ohrbereich, so sind auch Akupunkturpunkte zur Beseitigung muskulärer Nackenverspannungen auszuwählen. Häufig ist in solchen Fällen auch eine manualtherapeuthische Behandlung der Nackenmuskulatur empfehlenswert. 2–7 Akupunktursitzungen sind zur Behandlung im Akutstadium notwendig; nach unserer Erfahrung bessert sich das Krankheitsbild von Sitzung zu Sitzung deutlich.

 

Link: Wikipedia