Neuronitis vestibularis und Morbus Meniére - Akupunktur bei Gleichgewichtsstörungen

Autorin: Dr. med. Gabriele Böwing - letzte Revision 21.3.2020

Patientenbeispiel: Entzündung des Gleichgewichtsnerv, Neuronitis vestibularis

Anamnese: Herr A. verspürt während eines Zirkusbesuchs eine plötzliche Gangunsicherheit und daraufhin zunehmenden Drehschwindel. Diesen führt er aber zuerst auf die schlechte Luft und ein kurz zuvor getrunkenes Glas Bier zurück. Der Schwindel lässt jedoch nicht nach, und als er am nächsten Morgen aufwacht, verursacht schon die kleinste Kopfbewegung einen mit Übelkeit und Erbrechen einhergehenden Drehschwindel. Auch eine zweitägige anschliessende Bettruhe bringt keine Besserung

Diagnose: Der HNO-Arzt diagnostiziert zunächst einen Morbus Menière, dann aber wegen des permanent anhaltenden Schwindels eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuronitis vestibularis). Die verordneten Medikamente bringen aber auch in der folgenden Tagen keinerlei Besserung. Die daraufhin in der Universitätsklinik durchgeführte elektrische Untersuchung der Augenmuskulatur zeigt sogar einen vollständigen Ausfall des Gleichgewichtsnervs.

Therapie: Neben der bisher erfolglosen medikamentösen Therapie entschließt sich Herr A. nun zur Akupunktur. Die 1. Sitzung erfolgt im Liegen, da Herr A. sich praktisch nicht bewegen kann, ohne dass sich der Schwindel unerträglich verstärkt. Am 2. Behandlungstag kann Herr A., wenn auch noch sehr unsicher, wieder gehen. Von Sitzung zu Sitzung bessert sich das Krankheitsbild. Nach 5 Sitzungen ist Herr A. vollständig beschwerdefrei.

Verlauf: Etwa 2 Wochen im Anschluss an die letzte Behandlung bemerkt Herr A. plötzlich – und diesmal viel stärker als beim ersten Mal – ein Wiederauftreten des Schwindels. Diesmal wird sofort die Akupunkturtherapie eingesetzt, und noch während der Sitzung verschwinden nach etwa 40 Minuten die Beschwerden komplett. 7 Jahre nach der akuten Entzündung des Gleichgewichtsnervs ist Herr A. noch immer beschwerdefrei.

Woher kommt Schwindel? Was können die Ursachen sein?

Gleichgewichtsstörungen und Schwindel (z.B. Vertigo, Morbus Menière, Neuronitis vestibularis) können unterschiedlich begründet sein. Der harmlose Schwindel ist häufig Ausdruck und Symptom einer allgemeinen Kreislauferkrankung. Meistens jedoch handelt es sich um lokale Durchblutungsstörungen im Bereich des Innenohres, Kristallausfällungen in der Innenohrflüssigkeit oder Viruserkrankungen. Aber auch Bewegungsstörungen der Halswirbelsäule können eine Ursache sein, genauso wie neurologische Erkrankungen wie z.B. Multiple Sklerose. Akupunktur und Manuelle Medizin können nach unserer Erfahrung deutliche Linderung der Beschwerden bringen. Zur Abklärung dieser verschiedenen Ursachen bedarf es zunächst einer fachärztlichen Untersuchung.

Was ist Morbus Menière oder Neuronitis vestibularis?

Beim Morbus Menière handelt es sich um eine Erkrankung des Innenohrs. Diese ist typischerweise durch das gemeinsame Auftreten von Schwindel (Vertigo), Hörverlust und Ohrgeräuschen (Tinnitus) gekennzeichnet. Man spricht auch von der sogenannten Menière’schen Trias. Eine direkte Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht bekannt. Obwohl sich bei jedem Menière’schen Anfall ein sogenannter Endolymphstau im Innenohr nachweisen lässt, ist dies nicht die primäre Ursache. Durch den Lymphstau kommt es jedoch zu einem Volumenanstieg mit Druck auf die Kammern im Innenohr. Dies erklärt auch das häufige Druckgefühl, während eines akuten Anfalls.

Bei der Neuronitis vestibularis handelt es sich um eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs. Das Krankheitsbild der Neuronitis vestibularis äußert sich durch innerhalb von Stunden zunehmenden Schwindel, der ohne Therapie Wochen, Monate oder Jahre anhalten kann. Im Vergleich zum Morbus Menière verläuft diese Erkrankung nicht schubweise, sondern anhaltend.

Symptome

Die Anfälle beim Morbus Menière treten in Schüben auf, wobei diese Schübe vereinzelt und nicht regelmäßig auftreten und zwischen den einzelnen Anfällen oft jahrelange Pausen liegen können. Anfänglich berichten die Patienten oft erst über Schwindel oder ausschliesslich Hörverlust mit Tinnitus. Treten dann in Folge alle drei Symptome zusammen auf, so spricht man von der Menière’schen Trias. Nicht selten beschreiben die Betroffenen neben dem Hörverlust auch ein Völlegefühl bzw. ein Druckgefühl im Ohr, der mit dem Endolymphstau zu erklären ist. Ihn der Regel verschlimmert sich der Schwindel bei Bewegung, weshalb sich die meisten Patienten ruhig verhalten oder sogar versuchen zu schlafen. Während eines Schwindelanfalls tritt ein Hörverlust mit  Tinnitus auf, der typischerweise nach den ersten Anfällen wieder verschwindet. Nach längerem Bestehen der Erkrankung bzw. bei sich häufenden Anfällen können diese Symptome auch bestehen bleiben.

Konventionelle Therapie

Bis heute ist die Ursache des Morbus Menière immer noch nicht bekannt ist. Deswegen beschränkt sich die konventionelle Therapie auf die Linderung der Symptome (Übelkeit und Erbrechen) oder Hinweisen zurLebensführung. Bei der hohem Leidensdruck und sehr schwerem Verlauf kann das Gleichgewichtsorgan medikamentös stillgelegt werden. Dies bringt aber entsprechend einschneidende Veränderungen mit sich, da es zu einem unwiederbringlichen Verlust des Gleichgewichtssinnes kommt. Dieser kann sogar mit einem kompletten Hörverlust einhergehen.

Therapie mit Akupunktur, Manualtherapie und aus Sicht der chinesischen Medizin

Die Behandlung des Morbus Menière setzt Erfahrung und eingehendes Wissen auch  in der chinesischen Krankheitslehre voraus. Da die Patienten einen hohen Leidensdruck aufweisen, wird viel Diagnostik betrieben, die jedoch häufig selbst bei aufwendigsten Untersuchungen ohne Ergebnis bleibt. Als Patient leidet man jahrelang an einer Krankheit, bei der man das Gefühl hat, dass einem buchstäblich der »Boden unter den Füßen weggezogen wird«. Neben dem Morbus Menière ist auch die akute Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuronitis vestibularis) eine Erkrankung, die ungewöhnlich gut auf die Akupunktur anspricht, wie das oben beschriebene Patientenbeispiel zeigt.

Bei einer Behandlung liegt die Anzahl der erforderlichen Sitzungen mit Akupunktur in der Regel zwischen 8 bis 15. Auch lassen sich lang anhaltende Gleichgewichtsstörungen mit Ohrgeräuschen und Hörminderung oft durch manualtherapeutische Behandlung der oberen Halswirbel bessern. Nach unserer Erfahrung sollte mit der Akupunktur bereits am ersten oder zweiten Krankheitstag begonnen werden.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Akupunktur und Chinesischen Medizin sowie zur Kostenerstattung in unserer Privatpraxis.

Begleitend zur Akupunktur kann auch eine Axomera-Therapie  sinnvoll sein.