Was ist die Trigeminusneuralgie bzw. der idiopathische Gesichtsschmerz?

Man unterscheidet die Trigeminusneuralgie von dem sogenannten idiopathischen Gesichtsschmerz, da sich die Symptome doch deutlich voneinander abgrenzen lassen (siehe weiter unten).

Trigeminusneuralgie

Die klassische Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung, die typischerweise im höheren Lebensalter auftritt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht generell in jedem Alter auftreten kann. Es kommt zu schlagartigen, für Sekundenbruchteile einschiessende heftigste Schmerzen, typischerweise im Bereich des Versorgungsgebietes der Gesichtsäste des Nervus Trigeminus. Die meisten Patienten beschreiben die Schmerzen bei der Trigeminusneuralgie als scharf, stechend oder blitzartig. Ausserdem lassen sich die Attacken nicht selten durch Aktionen wie Essen, Sprechen, Schlucken, Kauen oder sogar Zähneputzen auslösen. Dabei ist der Patient zwischen den einzelnen Attacken, die mehrfach täglich auftreten können, schmerzfrei.

Ursächlich liegt der Trigeminusneuralgie meist ein Fehlmechanismus zu Grunde, bei der es in der hinteren Schädelgrube zu einer abnormalen räumlichen Enge einer kleinen Gefäßschlinge zum Nervenstamm des Trigeminusnerv kommt. Dadurch kommt es wiederholt zu Reizungen des Nervenstammes mit einer sich daraus entwickelnden Neuralgie/ Nervenentzündung.

Idiopathischer Gesichtsschmerz

Der idiopathische Gesichtsschmerz ist eine besonders schwer zu therapierende Schmerzerkrankung. Typischerweise beginnt die Erkrankung im Zusammenhang mit zahnärztlichen Eingriffen oder ärztlichen Eingriffen im Kopfbereich, hat aber ursächlich nichts damit zu tun. Umso wichtiger ist es, die Patienten auf der verzweifelten Suche nach Ursachen vor weiteren, insbesondere zahnärztlichen Eingriffen, zu bewahren. Denn weitere Eingriffe unterhalten den Schmerz erfahrungsgemäß oder verstärken diesen sogar.

Anders als bei Trigeminusneuralgie entspricht die Schmerzausbreitung nicht dem klassischen Versorgungsgebiet der Gesichtsäste, sondern zeigt sich gehäuft z.B. am seitlichen Nasenflügel oder dem Mundwinkel. Die Patienten beschreiben tägliche Schmerzen, die häufig ohne schmerzfreie Intervalle einem Dauerschmerz entsprechen. Dabei kommt es zu wechselnden Schmerzintensitäten. Der Gesichtsschmerz wird in den meisten Fällen als brennend, ziehend, aber häufig auch pochend beschrieben. Betroffene nehmen den Gesichtsschmerz als diffus, nicht konkret lokalisierbar und in der Tiefe wahr. Dabei kann sich der Schmerz auch räumlich verändern oder sogar die Seite des Gesichts wechseln.

Die Ursache für einen idiopathischen Gesichtsschmerz ist bis heute nicht geklärt. Laborbefunde, neurologische Untersuchungen sowie bildgebende Verfahren dienen lediglich dem Ausschluss anderer Grunderkrankungen.

Typische Symptome der Trigeminusneuralgie

  • Alter meist über 60 Jahre
  • immer wieder auch schmerzfreie Intervalle, kein Dauerschmerz
  • die Attacken sind häufig auflösbar durch z.B.: Schlucken, Zungenbewegung, Sprechen, Berührungen
  • der Schmerz ist scharf umgrenzt, einschneidend und oberflächlich
  • die Schmerzen beschränken sich auf das Versorgungsgebiet der Gesichtsäste des Trigeminusnerv
  • meistens unauffällige neurologische Befunde

Typische Symptome des idiopathischen Gesichtsschmerz

  • Alter meist zwischen 30-60 Jahre
  • Dauerschmerz, kaum schmerzfreie Tage, evtl. wechselnde Schmerzintensität
  • die Schmerzen sind nur extrem selten durch bestimmte Vorgänge auslösbar
  • der Schmerz wird als diffus, nicht direkt lokalisierbar und in der Tiefe wahrgenommen
  • die Schmerzen sind nicht auf das Versorgungsgebiet der Gesichtsäste beschränkt und zeigt Übergänge in den Halsbereich
  • evtl. Allodynie (Schmerz, der durch Reize ausgelöst wird, welche üblicherweise keinen Schmerz verursachen)

Diagnose

Sowohl die Diagnose der Trigeminusneuralgie als auch des idiopathischen Gesichtsschmerz wird anhand der Leitsymptome und dem Ausschluss anderer Grunderkrankungen (z.B. Tumor, Multiple Sklerose, etc.) gestellt. Da es weder typische Laborbefunde noch organische Befunde gibt, dient die weiterführende bildgebende Diagnostik lediglich dem Ausschluss einer anderen Grunderkrankung.

Therapie

Die konventionelle Therapie des idiopathischen Gesichtsschmerz und der Trigeminusneuralgie besteht in Medikamenten, darunter Schmerzmittel und Medikamente gegen Epilepsie sowie Antidepressiva. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie erlernen die Patienten u.a. Entspannungsverfahren und bekommen Unterstützung durch eine kognitive Verhaltenstherapie.

Neue Therapie mit der NSM-Stimulation (Neurostimulation nach Prof. Molsberger)

Als wir damit begannen, andere Formen von Kopfschmerzen, wie z.B. bei Migräne oder Clusterkopfschmerz die NSM-Stimulation einzusetzen, sahen wir verblüffende Therapieerfolge. Dies auch im Rahmen von prospektiven Fallbeobachtungen. Deshalb begannen wir auch Patienten mit Trigeminusneuralgie zu behandeln und konnten ähnlich erstaunliche Ergebnisse sehen, wie Patientenbeispiele zeigen.

Aus langjährigen Erkenntnissen der Akupunktur und neuen Erkenntnissen der elektrischen Neurophysiologie haben wir schliesslich die NSM-Therapie entwickelt. Die behandelten Patienten vergleichen den Behandlungsablauf der NSM-Stimulation oft mit einer einer Akupunkturbehandlung. Der wissenschaftliche Hintergrund und die Wirkweise sind jedoch völlig anders als bei der Akupunktur.

 

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